Das Projekt
Rescue Center und Vocational Trainings in Ithanga
In Ithanga, östlich von Thika in hügeligem, ländlichem Gebiet gelegen, haben momentan rund 100 Primar- und OberstufenschülerInnen sowie junge Erwachsene in der Berufsausbildung ein gutes und schönes Zuhause. Hier können sie nicht nur unter sicheren und würdigen Bedingungen leben, sondern erhalten auch medizinische Versorgung, ganzheitliche Betreuung und zukunftsgerichtete Ausbildungsmöglichkeiten, um ihr Leben aktiv mitbestimmen zu können. Im grossen, neuen Dorms-Gebäude mit seinen vielen Schlafräumlichkeiten und sanitären Anlagen konnte den Kindern und Jugendlichen mehr Komfort und Privatsphäre geschaffen werden. Die Infrastruktur des gesamten Geländes wird laufend ausgebaut. So konnten in den letzten Jahren z.B. Solaranlagen für eine unabhängigere Stromversorgung und für den Betrieb der Pumpe für das Trinkwasser-Bohrloch realisiert werden. Im Jahr 2025 wurde ein neuer Wasserturm errichtet, der ausreichend Stabilität besitzt, um grosse Tanks zu tragen. Dadurch wurde die Wasserversorgung deutlich verbessert – ein wichtiger Faktor für einen reibungslosen Alltag in Ithanga. Auch in die Gestaltung des Geländes wird viel investiert: Wege mit Randsteinen werden angelegt, Pflanzen und Blumen gesetzt, neue Spielwiesen angesät und neue Sitzgelegenheiten geschaffen. Dem Team ist bewusst, dass ein gepflegtes Umfeld auch das allgemeine Lebensgefühl positiv beeinflusst. Jeder dieser Schritte leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Rescue Center.
Für die jungen Erwachsenen stehen in Ithanga sechs Ausbildungsgänge zur Verfügung: Coiffeur & Kosmetik, Schneiderei, Sanitär, Tischlerei, Elektrotechnik und Maurerhandwerk. Nach einem Jahr Lehre haben die Lernenden die Möglichkeit, einen ersten staatlich anerkannten Abschluss (Grade 3) zu erwerben. Dank neuer Utensilien konnten die einzelnen Ausbildungsprogramme stetig verbessert werden. Dies wirkt sich sowohl auf die Qualität der Ausbildung als auch auf die beruflichen Perspektiven der Studierenden positiv aus.
Schule in Riara / Kiawaroga
Die Schule in Riara ist noch immer wichtiger Bestandteil des Projektes. An diesem Ort in den Teeplantagen in nordöstlich der Hauptstadt Nairobi besuchen rund 40 Kinder aus massiv unterprivilegierten Familien vom Kindergarten bis zur zweiten Klasse den Unterricht und erhalten damit eine Chance auf eine gute Ausbildung. Ab der 3. Klasse können sie ins Rescue Center nach Ithanga wechseln, wo sie in einem liebevollen und unterstützenden Umfeld gefördert werden können.
Landwirtschaft in Mwea
Das projekteigene, grosse Stück Land noröstlich von Thika wird bewirtschaftet. Es werden je nach Saison verschiedenes Gemüsesorten und Getreide angepflanzt, die im Rescue Center in Ithanga für die Mahlzeiten der Kinder und Jugendlichen verwendet werden. Mit der renovierten Wasserpumpe ist nun eine zuverlässige Bewässerung möglich, was den Ertrag deutlich gesteigert hat.
Der Einfluss der Corona-Pandemie und die Projekt-Neuausrichtung - "Back to the Roots"
Die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 - 2021 ging am Projekt nicht spurlos vorüber. Nach der erfolgreich angelaufenen Nothilfe für unsere Schülerinnen und Schüler und deren Familien wurde immer klarer, dass wir diese Hilfe den Notleidenden auch zukünftig bieten wollen und müssen. Gleichzeitig wurde klar, dass die Corona-Schutzkonzepte der Regierung für eine Wiederaufnahme des Schulunterrichtes ohne massive finanzielle Aufwendungen nicht umgesetzt werden konnten. Das Direktorenpaar hat daher schnell reagiert und einen Masterplan für eine Neuausrichtung erarbeitet, den wir als Verein Kawaida voll und ganz unterstützen können, da er im Sinne der Ursprungsvision bleibt und das Projekt zurück zu seinen Wurzeln trägt:
Seit Januar 2021 werden die Räumlichkeiten und das Schulgelände in Ithanga als Auffangzentrum (Rescue Center) für Kinder und Jugendliche aus Ithanga und den ehemaligen Schulorten Kawaida (und Riara) umgenutzt. Es wird gekocht und für ihr leibliches und psychisches Wohl geschaut. Den Waisenkindern wird im Waisenhaus eine Vollbetreuung geboten, sie werden mit Schulmaterial und allem Lebensnötigen versorgt.
Die Schulbildung wird von den öffentlichen Schulen übernommen. Nelson und Lilian haben es mit ihrem Team in der Zeit der Pandemie geschafft, einen Grossteil der Kinder in öffentlichen Schulen anzumelden.
Die Vocational Trainings hingegen werden weiter ausgebaut und sind mittlerweile zu einem zentralen Pfeiler des Projekts geworden: Den älteren Jugendlichen wird die Möglichkeit zu Anlehren in diversen handwerklichen Berufen geboten, was ihnen massiv bessere Chancen verschafft, zukünftig ein eigenes Einkommen zu generieren und ein eigenständiges Leben aufzubauen.
Nelson und Lilian und ihr Team boten in der schwierigen Coronazeit - neben der Betreuung der Kinder und Jugendlichen und der Weiterführung der Verteilung der Hilfspakete - der lokalen Bevölkerung auf dem Schulgelände in Ithanga an sogeannten "Super Saturdays" jeden Samstag gratis Essen und ein möglichst unbeschwertes Gemeinschaftserlebnis für die Kinder und Jugendlichen an. Die Bilder die uns erreichten, waren wunderbar! Zu den Fotos So schön, dass in dieser Not Menschen auf diese herzliche Art geholfen und Ihnen Freude und Zuversicht geschenkt werden konnte.

Es bestätigte sich nach Ende der Pandemie, dass das neue Konzept mit den zur Verfügung stehenden Kapazitäten in Ithanga erfolgreich umgesetzt werden kann. So ist es unser Ziel, das Projekt in Ithanga in seiner Qualität zu erweitern um den Kindern und Jugendlichen/jungen Erwachsenen ein noch besseres Lebens- und Lernumfeld zu bieten. Möglicherweise wird das Konzept mittelfristig auch auf das Schulgelände und die bestehenden Räumlichkeiten in Mwea ausgeweitet, damit die lokale Bevölkerung in dieser armen Region ebenfalls davon profitieren kann.
Was vor der Pandemie geschah
Zum Projekt Kawaida gehörten bis vor Ausbruch der Pandemie drei Schulen mit ca. 250 Kindern und Jugendlichen. Die Schulen waren von guter Qualität, die auch regelmässig vom Staat überprüft wurde. Im Projekt waren neben dem Lehrpersonal Aufsichtspersonen, Hilfspersonal und Köche engagiert. In den Unterrichtspausen und über Mittag wurden den Kindern nahrhafte Mahlzeiten gegeben. Eltern zahlten je nach Verhältnisse einen kleinen Beitrag an die Schulkosten, was die Mitverantwortung der Eltern fördern sollte. Viele Kinder sind aber Halb- oder Vollwaisen und vollumfänglich auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Sie hatten über Jahre im Waisenhaus ein Zuhause und wurden ganzheitlich begleitet, betreut und gefördert. Auch mit der Umstrukturierung wird vielen Kindern aus den drei Schulorten in Zukunft in Ithanga eine Schulbildung ermöglicht und ein gutes Zuhause geboten.
Die älteren Mädchen und Knaben besuchten schon vor der Umstrukturierung das Internat in Ithanga. Sie werden auch weiterhin in ihrer Eigenverantwortung gestärkt, indem sie in Aufgaben und Arbeiten des Internatslebens stark eingebunden werden.
Seit 2019 werden den Jugendlichen in Ithanga als Bestandteil des Unterrichts und als Randkurse Berufsanlehren in handwerklichen Bereichen (Maurer, Schweisser, Zimmermann, Näherinnen) ermöglicht. Dieser Bereich ist im 2022 weiter ausgebaut worden (Coiffeur, Elektriker), um auch jenen Jugendlichen, welche keine akademische Ausbildung angehen können, eine gute berufliche Zukunft zu ermöglichen.
Ithanga

Ithanga ist eine Ortschaft ca. 70 km nordöstlich von Nairobi in einer hügeligen, ländlichen Gegend. Der Projektleiter und Direktor Nelson Kangethe ist in dieser Region aufgewachsen und konnte dort auf dem recht grossen Stück Land, das in seinem Familienbesitz war, eine Schule für Oberstufenschüler eröffnen. Ithanga funktioniert sowohl als Tages- wie auch als Internatsschule mit dem Ziel, die Jugendlichen auf ein Studium an der Universität vorzubereiten und gleichzeitig auch in handwerklichen Bereichen zu schulen, so dass allen sinnvolle Zukunftsmöglichkeiten eröffnet werden können. Dank Spendenaktionen in den Jahren 2015 und 2016 konnte auf dem Land eine tiefe Grundwasserbohrung durchgeführt werden, die seither eine eigenständigen Trinkwasserversorgung ermöglicht.

Im Jahre 2018 waren in Ithanga aufgrund staatlicher Interventionen und Auflagen nur noch die Oberstufenmädchen untergebracht, die Oberstufenknaben wurden nach Mwea verlegt. Dank dem riesigen Einsatz und persönlicher Aufopferung des Direktorenehepaars wird die Schule seit 2019 wieder als Mixed High School geführt und hat seit der Anwesenheit von Nelson Kangethe und Lilian Njoroge einen enormen Aufschwung erfahren: Es konnte z.B. angrenzendes Land erworben, neue Schlafgebäude und ein neues Labor errichtet werden und man erstellte neue Unterstände für die Berufsausbildungskurse (vocational training). Auch ein kleiner Bauernbetrieb mit Schweinen, Hasen, Truthähnen, Hühner und vielen weiteren Tieren und ein Laden für die Schüler und die Dorfbevörlkerung gehört mittlerweile zum vielversprechenden Projekt.
Riara

Das Dorf Riara/Kiawaroga im Kenianischen Hochland ist umgeben von Teeplantagen. Die Gegend ist im Winter so kühl, dass die Kinder Kappen während des Unterrichts tragen, um nicht zu frieren. Die Schule wird noch immer als Tagesschule geführt. Ungefähr 10 Jahre lang fand der Unterricht in gemieteten Gebäuden statt. Anfang 2011 konnte Dorfrand Land erworben werden, auf welchem seit 2012 ein permanentes Schulgebäude steht. Seit 2013 werden die Schüler am neuen Ort unterrichtet. Mit der Umstrukturierung sind die Waisenkinder nach Ithanga gebracht worden. Der Schulbetrieb wird für die verbleibenden Kinder in reduziertem Masse weitergeführt.
Kawaida (Schulbetrieb bis 2021)

Die Ursprungsschule befand sich in Kawaida, einem Dorf am Rande des Kenianischen Hochlandes, ca. 20 km nordwestlich von Nairobi. Die Menschen leben in einfachsten Verhältnissen am Rande der Gewächshäuser internationaler Rosenfarmen. Neben der Armut ist mangelnde Hygiene ein grosses Problem. Viele Kinder haben schlechte oder gar keine Schuhe und leiden unter starkem Befall von Sandflöhen (Jigger fleas). Dank dem Spendenfluss aus der Schweiz (insbesondere aus Sponsorenlauf 2010, Spendenaktion 2018) konnte im Dorf Land gekauft und ein Schulhaus erbaut werden. Mit der Pandemie und der Umstrukturierung 2021 haben viele der Waisenkinder aus der Schule Kawaida in Ithanga ein neues Zuhause erhalten. Es ist geplant, die Parzellen nach und nach zu verkaufen und ins Projekt zu reinvestieren. Leider verzögert die momentane Situation die Umsetzung und Rentabilität eines solchen Unterfangens.
Mwea (Schulbetrieb bis 2021)

Die Region Mwea liegt ca. 100 km nordöstlich von Nairobi. Die Bevölkerung leidet seit längerem unter anhaltender Trockenheit. In den unregelmässiger gewordenen Regenzeiten haben in den letzten Jahren dann aber sintflutartige Regenfälle hin und wieder auch die Dörfer am Rande der Reisfelder überflutet. Die Leute sind in dieser abgelegenen Gegend besonder arm. Malaria ist eine Plage, aber auch Cholera und Typhus sind aufgrund der sehr problematischen Hygieneverhältnisse an vielen Orten ein ernstes Problem.
Im März 2013 wurde in der Schweiz eine grosse Spendenaktion lanciert, die am 1. Juni 2013 mit dem Jambo Festival und der Anwesenheit des Projektleiters Pastor Nelson Kangethe in der Altrüti Gossau ZH gipfelte. Mit dem gesammelten Betrag konnte auf einer leichten Anhöhe ausserhalb von Karaba ca. 2 ha Land gekauft und darauf ein grosses Schulgebäude errichtet werden. Anfang Mai 2014 fand der erste Unterricht im neuen Schulhaus statt. Im Mai 2015 konnte dank einer grösseren Spendenaktion eine Grundwasserbohrung und der Bau eines Brunnens auf dem Schulgelände in Angriff genommen werden. Grossartig!
2018 hatte es in Mwea in Folge von Änderungen im Schulsystem nur noch Kindergartenkinder auf der Primarschulstufe. Zwischenzeitlich waren auch die Oberstufenknaben in Mwea zu Hause. Die Regierung hatte verlangt, dass in der Oberstufe die Knaben und Mädchen getrennt die Schule besuchen müssen. Es hat sich aber gezeigt, dass die Führung von zwei Oberstufen (Ithanga und Mwea) insgesamt zu viele Ressourcen beanspruchte. Mit der Verlegung des Wohnsitzes des Direktorenehepaars nach Ithanga konnte der Schulbetrieb für die Knaben in Ithanga wieder aufgenommen werden.
Zu Beginn des Jahres 2019 wurde der Schulunterricht eingestellt. Stattdessen wird das Schulgebäude und das Projektland nun für eine Neuausrichtung vorbereitet. Es ist das erklärte Ziel, mit Beginn des neuen Schuljahres 2019 den Schulunterricht wieder aufzunehmen. Zudem wird das Waisenhaus von Kawaida nach Mwea verlegt, da hier viel mehr Land zur Verfügung steht und den Waisen bessere Lebensbedingungen geboten werden können. Man ist weiter daran, das fruchtbare Land zu bepflanzen und v.a. auch zu bewässern, so dass die Ernte dem ganzen Projekt zugute kommen kann. Zukünftig könnte die Schule auch als temporäre Berufsausbildungsstätte (Bauernlehre) für die Oberstufenschüler dienen.
Das Kenianische Schulsystem
Der Unterricht beginnt in Kenia mit einer dreijährigen Vorschulstufe (Pre-Primary: "Baby Class, Nursery Class & Preunit") und wird seit der Schulreform 2018 auf der Primarschulstufe (Lower Primary: Standard 1-3, Upper Primary: Grade 4-6) bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit weitergeführt. Es folgt die nicht-obligatorische Schulzeit mit der Oberstufe (Lower Secondary: Form 1-3 und ggf. Senior Secondary: Grade 10 - 12) mit Anschluss an die Universitäten.


